Das Meer vor deiner Tür

 

Ich war schon kurz davor, diesen Eintrag mit „Sommernachtstraum“ zu betiteln. Das wäre allerdings doch etwas zufiel des Guten und maßlos übertrieben. Nicht weil der Sonnenuntergang aufgrund mangelnder Wolken nicht so spannend zu fotografieren war, sondern weil es irgendwann doch verdammt kalt wurde und ich als bekennende Frostbeule meine diversen Bekleidungslagen aus dem Rucksack kramen musste. Inklusive Mütze, zur Erheiterung meiner Begleitung.

Dennoch hat es mich gesternabend an den Paradiesstrand gezogen. Ich dachte mir: „Wenn ich momentan schon nicht meinem Fernweh folgen kann, um meine Tage irgendwo am Meer oder in den Bergen zu genießen und wahnsinnig tolle Landschaftsaufnahmen zu machen, dann muss halt der Haus- und Hofstrand vor der Hausfür herhalten.

Was gibt es besseres, als sich nach einem stressigen Arbeitstag noch auf das Fahrrad zu schwingen, ein paar Bier am Büdchen zu besorgen (ok, das trinke ich nicht, ich war bewaffnet mit Wein…), um dann die Füße im kühlen Sand zu vergraben und einfach mal die Seele baumen zu lassen. Abgesehen von ein paar nicht definierbaren Menschenwesen die sich leicht seltsam verhalten, ist der Strand zu dieser Jahreszeit noch relativ leer. Wenn du in einem ruhigen Moment die Augen schließt und den Wellen des Rheins (ok, davon kann man hier nicht reden… nennen wir es „rhythmische Wasserschwingungen“, weil sich die Verniedlichung „Wellchen“ irgendwie daneben anhört…) lauschstt, fühlt es sich an, als wärst du ganz weit weg. Irgendwo am Meer. Und dann kommt dir dieser wohlige Gedanke auf: „Der Alltagsscheiß, der kann mich mal. Ich bin jetzt einfach nur hier.“ Eine Erkenntnis ganz ohne die Hilfe einer esoterisch angehauchten Achtsamkeitstante. Erfolg auf ganzer Linie nenne ich sowas. Im Hier und Jetzt angekommen.

 

 

Ohne Fotos geht das ganze natürlich nicht. Fotos helfen mir beim entspannen und wenn ich schon mal am Strand rumhänge und die blaue Stunde bewusst erlebe, muss sich mein Fotografenherz ausleben. Ich gebe zu, dieses Mal war mein Vorgehen ziemlich vorsichtig und zaghaft. Bei meinem letzten Ausflug zum Paradiesstrand wurde immerhin meine geliebte Fuji X100T von einer Flutwelle (und ja, in diesem Fall kann man wirklich von einer Flutwelle sprechen, ich habe Zeugen!) überschwemmt und fristet seither ihr Dasein als Kameraleiche. Ein traumatisches Erlebnis. Das passiert mir nicht nochmal….
Vermerk an mich selbst: Ich muss mich dringend um eine dieser Kameraversicherungen kümmern. So eine, die auch gegen Tollpatschigkeit und Risikobereitschaft versichert.

 

 

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